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Startseite News & Termine Creditreform News Online-Archiv Archiv 2006 Aktuelle Analyse: Mittelstand in Österreich

Wirtschaftslage Mittelstand in Österreich

Mittelstand im Aufwind –
aber keine Auswirkungen auf die Liquidität

Wien, 14.11.2006

Ihre aktuelle Geschäftslage beurteilen die befragten 1.700 Betriebe in Österreich positiv: Mehr als die Hälfte der Befragten vergibt heuer gute Noten (54,3 Prozent); im letzten Herbst waren es noch 46,1 Prozent. Die Noten mangelhaft und ungenügend vergeben nur noch 6,2 Prozent der Unternehmen. Im Herbst 2005 waren es knapp doppelt so viele (11,9 Prozent).

Noch deutlicher als die Stimmungslage hat sich der Umsatz im österreichischen Mittelstand verbessert: Die Zahl der Betriebe, die auf steigende Umsätze verweisen können, stieg um ganze 10,9 Prozentpunkte auf 47,4 Prozent. Umsatzeinbußen hatten dagegen nur 12,8 Prozent hinzunehmen. Letztes Jahr war es noch knapp jedes fünfte Unternehmen (19,8 Prozent). Die guten Ergebnisse haben auch Auswirkungen auf die Personalsituation, die Betriebe schaffen zusehends mehr Stellen. 30,2 Prozent gaben in der Befragung an, mehr Personal eingestellt zu haben – das entspricht einem Anstieg um 9 Prozentpunkte. 14,8 Prozent mussten sich von Mitarbeitern trennen – im letzten Herbst waren es noch 18,6 Prozent. Den deutlichsten Sprung in punkto Personalbestand vollzogen die Betriebe aus dem Handel. Der Personalsaldo dieser Branche stieg im Jahresverlauf von minus 12,3 Prozent auf jetzt plus 17,4 Prozent an.

Fast jedes dritte Unternehmen meldet Ertragssteigerungen

Ebenso wie die Umsatzsituation hat sich auch die Ertragslage sehr positiv entwickelt. Konnte im Herbst 2005 nur jedes fünfte Unternehmen (20,6 Prozent) steigende Erträge melden, sind es heuer schon 29,7 Prozent. Sinkende Gewinne verbuchen aktuell noch 23,7 Prozent der Befragten – im Herbst 2005 waren es noch 33,3 Prozent.

Für das kommende halbe Jahr planen mehr Unternehmen Personalaufstockungen als noch im Herbst 2005. 18,7 Prozent wollen mehr Mitarbeiter einstellen (Vorjahr: 12,4 Prozent), ihren Personalbestand verkleinern wollen nur noch 17,2 Prozent – im letzten Herbst waren es noch 19,9 Prozent. Damit kommt der Saldo der Personalentwicklung erstmals seit dem Jahr 2000 wieder aus dem roten Bereich und steigt auf 1,5 Prozent (Vorjahr: minus 7,5 Prozent).

Im Herbst 2005 erwartete jedes vierte Unternehmen (25,3 Prozent) Ertragssteigerungen innerhalb der kommenden sechs Monate. Heuer sind es schon 39,0 Prozent. Sinkende Gewinne befürchten nur noch 18,1 Prozent. Zum Vergleich: Im Herbst 2005 waren es noch mehr als zehn Prozentpunkte mehr (28,5 Prozent). Im Handel finden sich die meisten Betriebe, die auf mehr Gewinn setzen: 45,3 Prozent der Unternehmen dieser Branche erwarten steigende Erträge (Vorjahr: 24,6 Prozent), nur noch jedes fünfte Unternehmen (19,4 Prozent) rechnet mit Gewinneinbußen. Vor einem Jahr waren es noch 30,3 Prozent.

Investitionen ziehen an

Wollten im letzten Jahr nur knapp die Hälfte (49,9 Prozent) der österreichischen Mittelständler Investitionen tätigen, sind es aktuell schon 56,0 Prozent. Nach wie vor werden die Investitionen vornehmlich für den Ersatz alter Maschinen und Anlagen eingesetzt (56,3 Prozent; Vorjahr: 59,0 Prozent). Erfreulich ist hingegen, dass die Erweiterungsinvestitionen zulegen konnten, und zwar von 45,9 Prozent im Herbst 2005 auf jetzt 49,3 Prozent. Rationalisierungen planen demgegenüber 28,8 Prozent im Vergleich zu 29,9 Prozent im vergangenen Jahr.

Kunden zahlen langsamer

Obgleich die Bewertungen zur aktuellen und künftigen konjunkturellen Lage deutlich optimistischer ausfallen als noch vor einem Jahr, zahlen die Kunden der befragten Unternehmen langsamer als im Vergleichszeitraum. Wurden im Herbst 2005 noch 54,4 Prozent der Rechnungen pünktlich beglichen, sind es heuer nur noch 53,6 Prozent. Mehr als 90 Tage Zeit lassen sich aktuell 5,4 Prozent – im letzten Herbst war es ein Prozentpunkt weniger.

Abgenommen hat demgegenüber die Zahl der Betriebe, die unter hohen Forderungsverlusten von mehr als einem Prozent im Verhältnis zum Umsatz leiden, und zwar von 11,3 Prozent im letzten Jahr auf jetzt 10,1 Prozent. Nach wie vor hat die Baubranche am meisten unter hohen Forderungsausfällen zu leiden (14,0 Prozent), wenngleich auch hier der Wert deutlich rückläufig ist (2005: 21,6 Prozent).

Die Unternehmensinsolvenzen in Österreich sind – wie in Deutschland auch – rückläufig. Mussten in den ersten drei Quartalen 2005 noch 5.275 Firmen ihren wirtschaftlichen Bankrott den Gerichten melden, sind es in diesem Jahr nur noch 5.045, was einem Rückgang von 4,4 Prozentpunkten entspricht. Die Insolvenzen von Privatpersonen hingegen steigen an, und zwar um 17,9 Prozent von ehemals 4.770 auf 5.623 Betroffene.

Firmen haben mehr Eigenkapital

Aktuell verfügen 31,8 Prozent (Vorjahr: 27,1 Prozent) der Unternehmen in Österreich über eine solide Eigenkapitalbasis von mehr als 30 Prozent im Verhältnis zur Bilanzsumme. Völlig unterkapitalisiert (weniger als 10 Prozent Eigenkapital) zeigen sich nur noch 29,0 Prozent der Betriebe – im letzten Jahr waren es noch 2,2 Prozentpunkte mehr.

Creditreform wollte wissen, was geschehen muss, um die Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen nachhaltig zu steigern. Die eindeutige Antwort von 81,7 Prozent der Befragten lautete: Senkung der Lohnnebenkosten. Auf Platz zwei steht die Verbesserung der steuerlichen Förderung der Eigenkapitalbildung mit 67,0 Prozent, gefolgt von der Wiedereinführung der Investitionsbegünstigungen mit 59,8 Prozent.

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