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Startseite Info-Center Fachartikel & Checklisten Unternehmensfinanzierung Due Diligence: Mehr als nur lästige Pflicht

Mehr als nur lästige Pflicht


, 01.04.2010

Vor der Finanzierung mit Individualmezzanine steht die – bei Mittelständlnern wenig beliebte – Due Diligence. Doch wenn Investor und Unternehmer gut zusammenarbeiten, profitieren beide Seiten.

Keine Sicherheiten, Stärkung der Eigenkapitalseite, Finanzierung von Wachstum und Expansion auch in Krisenzeiten – diese Vorteile machen Mezzanine nach wie vor zu einer attraktiven Finanzierungsform für den Mittelstand. Ihre Kosten und die Abwicklung in der Praxis schrecken viele Unternehmer jedoch ab. Spätestens bei der Due Diligence, wenn der Investor das Unternehmen und sein Management auf Herz und Nieren prüfen lässt, treffen mittelständische Führungskultur und zahlenfixierte Finanzwelt häufig unangenehm aufeinander. Dass sich der Unternehmer kritische Fragen zu seinen persönlichen Ansichten, Planungen und Entscheidungen gefallen lassen und diese Ausforscherei auch noch im Gegenwert eines Mittelklassewagens bezahlen muss, macht die Sache nicht einfacher.

Ein Finanzierungspartner, der sich in der Welt des Mittelstands auskennt, kann hier die entscheidenden Weichen stellen. Wenn der Investor mit dem nötigen Fingerspitzengefühl antritt und der Unternehmer die Informationsbedürfnisse des Investors respektiert, ziehen beide einen Gewinn aus der Due Diligence.

Due Diligence als Entscheidungsphase

Fünf Schritte umfasst der klassische Ablauf einer Mezzanine-Finanzierung, die Due Diligence ist der dritte. Bis dahin hat der Investor erste Informationen des Unternehmens geprüft und sich auf Basis eines Vorab-Ratings entschieden, das Vorhaben weiter zu verfolgen. Investor und Management haben sich zu ersten Gesprächsrunden getroffen. Das Management hat bereits wichtige Daten und Fakten im Detail präsentiert. Zentrale Finanzierungsbedingungen sind in einer Absichtserklärung (LOI) festgehalten.
Die nun folgende Due Diligence gilt als Entscheidungsphase. Der Investor lässt die bisherigen Annahmen und Aussagen von externen Beratern überprüfen. Das Ergebnis ist offen und kann auch zum Rückzug des Investors führen. Der Unternehmer muss hinnehmen, dass vieles, was er bisher gar nicht oder nur in Eckpunkten fixiert hat, kritisch hinterfragt wird.

Ein guter Finanzinvestor begleitet Unternehmer und Management durch diesen heiklen Prozess. Er vermittelt der Unternehmensführung Sicherheit und Vertrauen, fragt gezielt nach und bremst – falls nötig – übereifrige Dienstleister. Und er kann für einen vernünftigen Zeitrahmen sorgen. Mittelständische Unternehmen können und sollten im Vorfeld klären, welchen Zeithorizont ein Investor für den Prozess einkalkuliert Machbar ist ein Zeitraum von mindestens zehn Tagen – bei sehr guter Vorbereitung – und maximal drei bis vier Wochen.

Kritische Punkte treten in der Praxis häufig bei der Commerical Due Diligence auf. Hier kann sich herausstellen, dass das Management die Entwicklung von GuV oder Cashflow in vielen Positionen nicht stimmig oder zu positiv prognostiziert hat. Auch die aktuelle Krise fordert ihren Tribut. Der laufende Strukturwandel in der Weltwirtschaft führt dazu, dass sich Abnahmemengen in einzelnen Regionen verschieben oder auch reduzieren. Automobil-Zulieferer sind davon besonders stark betroffen. Aber auch in anderen Branchen kommt der Investor im Due-Diligence-Prozess dann zu dem Ergebnis, dass das Geschäftsmodell eines Unternehmens nicht mehr tragfähig ist.

Sparringpartner gegen Betriebsblindheit

Selbst solche schlechten Nachrichten können indes für den Unternehmer nützlich sein: Die Überprüfung des Geschäftsmodells liefert Ansatzpunkte, welche operativen und strategische Veränderungen machbar und nötig sind. Sie ist zudem Basis für neue Ideen, die den Unternehmenswert erhöhen können. Und nicht zuletzt helfen externe Sparringpartner gegen eine vielleicht bereits vorhandene Betriebsblindheit. Als Ergebnis der Due Diligence zeigt der Investor Optionen auf, wie sich das Unternehmen weiter entwickeln kann, und diskutiert diese mit dem Management oder Eigentümer. Im Idealfall beschließen Management und Investor dann, diese Ideen gemeinsam umzusetzen.

Selbst mezzanine-erfahrene Unternehmer kommen um die Due Diligence nicht mehr herum. Die standardisierten Ratings früherer Mezzanine-Programme haben sich als wenig aussagekräftig erwiesen. Sie waren darauf ausgerichtet, große Massen an Unternehmen zu bedienen,  um so auch für den Verbriefungsmarkt geeignet zu sein. Inzwischen ist es relativ unwahrscheinlich, dass in Kürze neue Standard-Mezzanine-Programme auf den Markt kommen. Unternehmer müssen Anschlussfinanzierungen daher über Kredite, Individualmezzanine oder Direktbeteiligungen abdecken. Bei den beiden letzteren verlangen heute alle Anbieter eine ausführliche Due Diligence. Es liegt am Investor und am Unternehmer, ob sie diese als lästige Pflicht betrachten oder davon profitieren.

aus "Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt",
Autor: Olivier Weddrien von DZ Equity Partner ist Experte für Mezzanine-Finanzierungen



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