Creditreform Studie zur Wirtschaftsdynamik in der Region 2017

Die Creditreform Bonn Rossen KG hat gemeinsam mit der Creditreform Rating AG zum vierten Mal die Wirtschaftsdynamik in der Stadt Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis unter die Lupe genommen. Die Untersuchung bietet eine umfassende Bestandsaufnahme der Wirtschaftsregion, die den hiesigen Standort anhand von Kriterien wie dem Zahlungsverhalten der Firmen, deren Eigenkapitalausstattung und Ertragskraft unter die Lupe nimmt und sich auch dem Wachstum sowie dem Gründungsgeschehen widmet.

Die wichtigsten Ergebnisse im Einzelnen:

Kleinteilige und vielseitige regionale Wirtschaft zeichnet sich durch steigende Bedeutung der IT- und Gesundheitswirtschaft aus

Nichts geändert hat sich an der Wirtschaftsstruktur der Region Bonn/Rhein-Sieg: Sie ist kleinteilig und vielseitig. Gut vier von fünf Unternehmen erzielen einen Jahresumsatz von unter 500.000 Euro, nur 2,82 Prozent hingegen einen Jahresumsatz von mehr als fünf Millionen Euro. Nur in Berlin und Dresden finden sich noch weniger Großunternehmen, während ihr Anteil in allen übrigen Vergleichsstädten und -regionen, etwa in Köln mit 3,32 oder Dortmund mit 3,82 Prozent, deutlich größer ist. In der NRW-Hauptstadt Düsseldorf sind es sogar 4,0 Prozent. Die meisten der in Bonn/Rhein-Sieg ansässigen Firmen sind alteingesessen, also mindestens zehn Jahre alt, oder gar Traditionsunternehmen, sprich: 25 Jahre oder älter.

Hiesige Ausfallgefahr auf Rekordtief und auf Augenhöhe mit dem Bundesdurchschnitt

Um die Dynamik in einer Wirtschaftsregion beurteilen zu können, ist eine eingehende Risikoanalyse unerlässlich. Dabei wird das Ausfallrisiko betrachtet. Der Anteil der Unternehmen, die ihren Zahlungsverpflichtungen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht nachkommen können, sinkt seit 2013 und erreichte mit 1,52 Prozent den niedrigsten Stand seit 2010. In der Branchenbetrachtung schneidet unter Risikogesichtspunkten die Industrie am schlechtesten ab, deutlich verbessert haben sich dagegen die Sonstigen Dienstleistungen sowie die Immobilienwirtschaft. Im Städte- und Regionenvergleich verzeichnet Bonn/Rhein-Sieg die drittniedrigste Ausfallquote.

Eigenkapitalsituation hellt sich weiter auf, Profitabilität bleibt überdurchschnittlich hoch

2015 (aktuellere Zahlen sind noch nicht in ausreichender Abdeckung verfügbar) sind die durchschnittlichen Eigenkapitalquoten sowohl in der deutschen Gesamtwirtschaft als auch in Bonn/Rhein-Sieg weiter ihrem Aufwärtstrend gefolgt. Zwar liegt die Eigenmittelausstattung der Unternehmen in der hiesigen Region weiterhin unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt, doch hat sich der Abstand zuletzt weiter verringert. Zudem zeichnen sich die Unternehmen in Bonn und Rhein-Sieg durch eine deutlich bessere Ertragskraft aus als die deutsche Gesamtwirtschaft: Die durchschnittliche Gesamtkapitalrendite erhöhte sich 2015 von 6,2 Prozent im Jahr 2014 auf 7,0 Prozent, während sie bundesweit im selben Zeitraum nur von 5,6 auf 5,7 Prozent stieg.

Weiterhin gute Zahlungsmoral in der Region Bonn/Rhein-Sieg, die sich im Städtevergleich im Mittelfeld befindet

Bei diesem wichtigen Strukturfaktor schneiden Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis gut ab. Seit dem vierten Quartal 2010 sank der Anteil überfälliger Rechnungsbelege deutlich von 37,7 auf 15,2 Prozent. Dennoch weisen die hiesigen Firmen eine etwas schlechtere Zahlungsmoral auf als die deutsche Gesamtwirtschaft, bei der der Anteil bis Ende 2016 sogar auf 12,7 Prozent geschrumpft war. Ende 2017 lag der Anteil überfälliger Rechnungen in Bonn/Rhein-Sieg allerdings wieder bei 19,4 Prozent – und damit um fünf Prozentpunkte über demjenigen der deutschen Gesamtwirtschaft. In der Region und bundesweit hat sich die durchschnittliche Zahlungsverzugsdauer erhöht. Ende 2017 lag sie in Bonn/Rhein-Sieg bei 11,4, in Deutschland bei 11,8 Tagen. Die guten Werte von Ende 2016 – 10,5 Tage in der Region, 9,2 Tage im Bund – konnten nicht erreicht werden.

Vergleichsweise schwaches Wirtschaftswachstum in der Region – Schlusslicht im Städte- und Regionenvergleich

Im Städte- und Regionenvergleich wies Bonn/Rhein-Sieg ein relativ schwaches Wachstumstempo auf. Das durchschnittliche Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) zwischen 2010 und 2014 war in Bonn/Rhein-Sieg mit 1,2 Prozent am schwächsten. Gemäß den verfügbaren Daten war auch in 2015 keine Belebung des Wirtschaftswachstums zu beobachten, als das reale BIP) in Bonn/Rhein-Sieg um 0,5 Prozent gewachsen war. Im Gesamtvergleich mit den 14 übrigen Städten und Metropolregionen landet Bonn/Rhein-Sieg damit auf dem letzten Platz. Das reale BIP pro Kopf ist im Vergleich mit den 14 übrigen Städten und Regionen zwischen 2009 und 2015 ebenfalls nur schwach gewachsen. Metropolen liegen hier klar vorne: Die mit Abstand höchste Wirtschaftsleistung pro Einwohner verzeichnet Frankfurt/Main. „Auffällig ist dabei der beträchtliche Unterschied zwischen Stadt und Kreis“, erläuterte Jörg Rossen von Creditreform Bonn: „In der Bundesstadt ist das reale BIP pro Kopf rund zweieinhalb Mal so hoch wie im umliegenden Landkreis. Das erklärt die mäßige Position der zusammengefassten Wirtschaftsregion Bonn/Rhein-Sieg.“ Allerdings ist das reale BIP pro Kopf in Bonn zwischen 2009 und 2015 um 8,5 Prozent gesunken, während es im Rhein-Sieg-Kreis im selben Zeitraum um ein Fünftel kräftig zugelegt hat.

Nur verhaltene Gründungsdynamik, aber weiterhin geringe Ausfallgefahr bei Start-ups

Die Gründungsdynamik ist in fast allen untersuchten Städten und Vergleichsregionen stärker ausgeprägt als in der Bonner Region. Besonders groß ist der Abstand zu Metropolen wie Hamburg und Frankfurt am Main, aber auch zu kleineren Vergleichsregionen und -städten wie Dortmund, Mannheim-Ludwigshafen und Hannover. Positiv hervorzuheben ist: Zwischen 2011 und 2016 reduzierte sich die Ausfallrate unter den Neugründungen deutlich, und 2017 nahm der Anteil der ausgefallenen Neugründungen an den gesamten Neugründungen eines Jahrgangs nur leicht zu.

„Leider ist auch das Gründungsgeschehen im IT-Sektor in Bonn/Rhein-Sieg stark rückläufig“, bedauerte Rossen, „der Anteil von Neugründungen am gesamten Unternehmensbesatz sank von knapp vier Prozent im Jahr 2012 auf 1,13 Prozent fünf Jahre später.“ Dies sei umso ungewöhnlicher, als der Anteil der IT-Unternehmen am Unternehmensbesatz auf 3,37 Prozent gestiegen sei. Rossen vertraut hier allerdings auf die mittel- und langfristigen Wirkungen des Digital Hubs Region Bonn. Dessen Wirken werde nicht nur dafür sorgen, die Anzahl der Gründungen zu steigern, sondern vor allem auch die Rahmenbedingungen verbessern und Service-Angebote zu schaffen, die Gründungen und Digitalisierungsvorhaben benötigen, um dauerhaft erfolgreich sein zu können. „Deshalb unterstützt auch Creditreform Bonn aus voller Überzeugung den Digital Hub Region Bonn und hat sich als Aktionär beteiligt“, betonte Rossen. „Ich glaube an den mittel- und langfristigen Erfolg dieser spannenden Standortinitiative!“.

 

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